Einleitung
Laserdioden gehören zu den am häufigsten eingesetzten optischen Quellen der modernen Photonik. Sie finden Anwendung in Bereichen von optischer Kommunikation und Spektroskopie über medizinische Geräte und industrielle Sensorik bis hin zum Schneiden und Schweißen mit Hochleistungslasern in Fertigungsumgebungen. Zur Bewertung ihrer Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit greifen Ingenieure auf ein standardisiertes Prüfverfahren zurück, die sogenannte LIV-Charakterisierung.
LIV-Messungen untersuchen den Zusammenhang zwischen Lichtleistung (L), elektrischem Strom (I) und Spannung (V) einer Laserdiode. Durch die gleichzeitige Messung dieser drei Parameter lassen sich zentrale Leistungsmerkmale wie Schwellstrom, Effizienz und optische Ausgangsleistung bestimmen.
Dieser Artikel erläutert, wie die LIV-Charakterisierung von Laserdioden funktioniert, welche Informationen sie liefert und wie präzise Messungen in Labor- und Produktionsumgebungen erzielt werden können.
Inhaltsverzeichnis
Was ist LIV-Charakterisierung?
Die LIV-Charakterisierung misst das optische und elektrische Verhalten einer Laserdiode bei variierendem Treiberstrom.
Während der Messung:
- treibt eine geregelte Stromquelle die Laserdiode an
- wird die optische Ausgangsleistung mittels Photodiode oder Ulbrichtkugel gemessen
- wird gleichzeitig die Spannung über der Laserdiode erfasst
Das Ergebnis ist ein Satz von Kennlinien, die das Verhalten des Laserbauelements unter verschiedenen Betriebsbedingungen beschreiben.
Diese Kennlinien sind essenziell für das Verständnis von Leistungsfähigkeit und Effizienz einer Laserdiode.
Die drei Komponenten der LIV-Messung
Lichtleistung (L)
Die Lichtleistung entspricht der von der Laserdiode abgestrahlten optischen Leistung. Sie wird je nach maximaler Leistung des Bauelements typischerweise in Milliwatt oder Watt angegeben.
Die optische Leistung wird üblicherweise gemessen mit:
- photodiodenbasierten optischen Leistungsmessgeräten
- Ulbrichtkugeln
Diese Messung zeigt, wie effizient der Laser elektrische Leistung in Licht umwandelt.
Treiberstrom (I)
Der Treiberstrom ist der elektrische Strom, der der Laserdiode zugeführt wird.
Während eines LIV-Tests wird der Strom schrittweise von null bis zum Maximum des Betriebsbereichs des Bauelements erhöht. Dieser kontrollierte Sweep ermöglicht es Ingenieuren, zu beobachten, wie die optische Ausgangsleistung auf steigenden Strom reagiert.
Eine präzise Stromregelung ist essenziell, da bereits geringe Schwankungen die Laserleistung erheblich beeinträchtigen können.
Spannung (V)
Die Spannung über der Laserdiode liefert Informationen über deren elektrisches Verhalten und den internen Widerstand.
Spannungsmessungen werden genutzt, um folgende Größen zu berechnen:
- elektrische Leistungsaufnahme
- Effizienz des Bauelements
- thermisches Verhalten
Die Kombination von Spannungs- und optischen Leistungsmessungen ermöglicht eine vollständige Charakterisierung der Bauelementleistung.
Die abgeleiteten Ergebnisse der LIV-Messung
Schwellstrom
Einer der wichtigsten Parameter, der aus der LIV-Charakterisierung gewonnen wird, ist der Schwellstrom (Threshold Current).
Der Schwellstrom ist der minimale Strom, bei dem die Laserdiode beginnt, kohärente Laseremission zu erzeugen.
Unterhalb dieses Stromwerts:
- verhält sich das Bauelement wie eine Leuchtdiode
- steigt die Lichtleistung nur langsam an
Oberhalb des Schwellstroms:
- dominiert die stimulierte Emission
- steigt die optische Ausgangsleistung schnell an
Die Bestimmung des Schwellstroms ist entscheidend für die Bewertung von Lasereffizienz und Bauelementqualität.
Aus Abbildung 1 wird deutlich, dass die Definition des Schwellstroms nicht trivial ist. Es sind verschiedene Algorithmen im Einsatz. Ein sehr leistungsfähiger Algorithmus nutzt die zweite Ableitung der L-I-Kennlinie, wobei der Schwellwert als der Strom am lokalen Maximum definiert wird.
Steigungseffizienz (Slope Efficiency)
Die Steigungseffizienz beschreibt, wie effizient eine Laserdiode oberhalb des Schwellstroms elektrischen Strom in optische Ausgangsleistung umwandelt. Sie wird aus der Steigung der Licht-Strom-Kennlinie oberhalb des Schwellbereichs berechnet.
Eine hohe Steigungseffizienz weist hin auf:
- ein effizientes Bauelementdesign
- geringe interne Verluste
- eine gute optische Kopplung bei fasergekoppelten Bauelementen
Die Steigungseffizienz ist eine zentrale Leistungskenngröße in der Laserdiodenentwicklung.
Die Steigungseffizienz und ihre erste Ableitung geben Aufschluss über die thermische Belastung des Prüflings.
Darüber hinaus lassen sich aus der Steigungseffizienz und ihrer ersten Ableitung (den sogenannten „Kinks“) Hinweise auf Kristalldefekte ableiten, die zu einer verkürzten Lebensdauer oder zu Kopplungsfehlern bei fasergekoppelten Systemen führen können.
Elektrische Leistung und Effizienz
Durch die Kombination von Strom- und Spannungsmessungen können Ingenieure die der Laserdiode zugeführte elektrische Leistung bestimmen.
Der Vergleich von elektrischer Leistung und optischer Ausgangsleistung ergibt die Gesamteffizienz des Bauelements.
Diese Information ist wichtig für:
- das thermische Management
- das Systemdesign
- die Optimierung der Leistungsaufnahme
Messaufbau für die LIV-Charakterisierung
Ein typischer LIV-Messaufbau umfasst mehrere spezialisierte Messgeräte.
Zu den wesentlichen Komponenten zählen:
- Laserdiodentreiber mit präziser Stromregelung
- Photodioden-Detektor oder Ulbrichtkugel
- Transimpedanzverstärker (Photodiodenverstärker)
- Elektronik zur Spannungsmessung
- Digitalisierungs- und Computer-Kommunikationselektronik
- Software zur Datenerfassung
Zusammen ermöglichen diese Komponenten automatisierte Messungen, die präzise und reproduzierbare LIV-Kennlinien liefern.
Häufige Herausforderungen bei der Messung
Mehrere Faktoren können die Genauigkeit von LIV-Messungen beeinträchtigen.
Stromgenauigkeit
Der wichtigste Parameter für die Genauigkeit einer LIV-Messung ist die Genauigkeit des eingeprägten Stroms. Bei gepulsten Systemen bedeutet dies, dass der Strompuls den gewünschten Treiberstrom schnell und ohne Überschwingen oder Einschwingvorgänge (Ringing) erreichen und anschließend für die Dauer der Messung stabil bei diesem Wert bleiben muss. Dies ist eine äußerst anspruchsvolle Anforderung.
Thermische Effekte
Die Leistung einer Laserdiode wird stark von der Temperatur beeinflusst. Ohne geeignete thermische Regelung können die Messergebnisse erheblich schwanken.
Thermoelektrische Kühler und Temperaturregler werden häufig eingesetzt, um eine stabile Bauelementtemperatur zu gewährleisten.
Optische Justage
Erfasst der optische Detektor nicht den vollständigen Ausgangsstrahl, kann die gemessene optische Leistung niedriger ausfallen als der tatsächliche Wert.
Ulbrichtkugeln werden häufig eingesetzt, um stark divergente Strahlen vollständig zu erfassen und die Justageempfindlichkeit zu eliminieren.
Anwendungen der LIV-Charakterisierung
LIV-Tests kommen in vielen Bereichen der Photonik zum Einsatz.
Typische Anwendungen umfassen:
- Entwicklung von Laserdioden
- Forschung an Halbleiterbauelementen
- Prüfung von Komponenten der optischen Kommunikation
- Qualitätskontrolle in der Laserfertigung
Ingenieure verlassen sich auf diese Messungen, um zu überprüfen, ob Bauelemente den geforderten Spezifikationen entsprechen.
LIV-Messlösungen von Artifex Engineering
Artifex Engineering fertigt spezialisierte Messtechnik zur Charakterisierung von Laserdioden, einschließlich dedizierter, kompakter Turnkey-Systeme für präzise LIV-Messungen.
- LIV100 ist ein leistungsstarkes Kurzpuls-Charakterisierungssystem für Laserdioden, das zur Prüfung von Laserdioden und LEDs auf Chip-, Barren- oder Submount-Ebene entwickelt wurde. Seine extrem kurze Anstiegszeit mit praktisch keinem Überschwingen ermöglicht präzise Messungen an thermisch „ungeschützten" Bauelementen bei gleichzeitig minimierter thermischer Belastung des Prüflings.
- LIV120 ist ein vielseitiger CW/QCW-Laserdiodentester für die zuverlässige Charakterisierung und Prüfung von gehäusten oder auf Submounts montierten Laserdioden und LEDs.
Gemeinsam ermöglichen diese Instrumente eine zuverlässige Bewertung der Laserdiodenleistung in Forschungslaboren und industriellen Prüfumgebungen.
Fazit
Die LIV-Charakterisierung ist eines der wichtigsten Verfahren zur Bewertung der Leistungsfähigkeit von Laserdioden. Durch die gleichzeitige Messung von optischer Ausgangsleistung, Treiberstrom und Spannung können Ingenieure kritische Parameter wie Schwellstrom, Steigungseffizienz und Gesamteffizienz des Bauelements bestimmen.
Präzise LIV-Messungen erfordern sorgfältig konzipierte Messtechnik und stabile Messbedingungen. Mit der richtigen Ausrüstung und Methodik können Forschende präzise Daten gewinnen, die die Entwicklung leistungsstarker photonischer Bauelemente unterstützen.
About the Author:

Dr. Steven Wright
CEO & Doctor of Natural Sciences (Dr. rer. nat.)
Dr. Steven Wright ist Gründer und CEO von Artifex Engineering. Er wurde in Kanada geboren, promovierte in den Naturwissenschaften und ist seit über 30 Jahren in der Photonik tätig. Dabei hat er sich das Fachgebiet von Grund auf angeeignet und diese Erfahrung in den Aufbau von Artifex einfließen lassen. Auch heute noch ist er praktisch aktiv und arbeitet regelmäßig gemeinsam mit dem Team im Labor, um der Wissenschaft nah zu bleiben.