Allgemeine Filter
Allgemeine Filter
Allgemeine Filter

Ein praxisnahes Tutorial

Einleitung

Die Laserleistungsmessung gehört zu den grundlegendsten Aufgaben in der photonischen Forschung, der Laserentwicklung und der Prüfung optischer Systeme. Ob bei der Bewertung einer Laserdiode, der Charakterisierung einer LED oder der Kalibrierung eines optischen Instruments – die präzise Bestimmung der abgestrahlten Lichtmenge ist entscheidend für zuverlässige Leistung und reproduzierbare Experimente. Zu den Anwendungsbereichen zählen Laborexperimente, industrielle Laserbearbeitung, Telekommunikation sowie die Justage optischer Systeme.

Eines der am häufigsten eingesetzten Instrumente hierfür ist ein photodiodenbasiertes Leistungsmessgerät. Diese Geräte werden aufgrund ihrer schnellen Ansprechzeit, hohen Empfindlichkeit, kompakten Bauweise und vergleichsweise geringen Kosten geschätzt.

Ein Photodioden-Leistungsmessgerät wandelt einfallende optische Strahlung in ein elektrisches Signal um, das gemessen und zur Darstellung der optischen Leistung kalibriert werden kann. Dieses Tutorial erläutert die Grundlagen, Verfahren und Messtechnik der optischen Leistungsmessung und bietet einen praxisnahen Überblick für Wissenschaftler, Ingenieure und Labortechniker, die mit optischen Quellen arbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Funktionsprinzip von Photodioden-Detektoren

Die optische Leistung bezeichnet die Rate, mit der Lichtenergie von einem optischen System abgestrahlt, übertragen oder empfangen wird. Sie stellt die Menge an elektromagnetischer Energie dar, die von Licht pro Zeiteinheit transportiert wird. Die optische Leistung wird in der Einheit W (Watt) angegeben.

Eine Photodiode ist ein Halbleiterbauelement, das bei Lichteinfall einen elektrischen Strom erzeugt. Treffen Photonen auf den aktiven Bereich der Photodiode, können sie Elektronen aus dem Valenzband in das Leitungsband anheben und dabei Elektron-Loch-Paare erzeugen. Diese Ladungsträger werden durch das eingebaute elektrische Feld der Verarmungszone der Diode getrennt, wodurch ein messbarer Photostrom entsteht.

Der Photostrom Iph ist näherungsweise proportional zur einfallenden optischen Leistung P:

Iph = R(λ)·P

Dabei gilt:

  • Iph = Photostrom (A)
  • R(λ) = Empfindlichkeit (Responsivity) der Photodiode (A/W), abhängig von der Wellenlänge λ
  • P = einfallende optische Leistung (W)

Die Empfindlichkeit beschreibt, wie effizient die Photodiode Licht in elektrischen Strom umwandelt. Da die Empfindlichkeit mit der Wellenlänge variiert, müssen Leistungsmessgeräte die Laserwellenlänge bei der Messung berücksichtigen. Infolgedessen eignen sich Photodioden-Leistungsmessgeräte nicht zur Messung von Weißlichtquellen.

Komponenten eines Photodioden-Leistungsmessgeräts

Ein typisches photodiodenbasiertes Laserleistungsmessgerät besteht aus folgenden Komponenten:

Photodioden-Messkopf

Der Messkopf enthält die Photodiode und das Schutzfenster. Gängige Photodiodenmaterialien umfassen:

  • Silizium (Si) – empfindlich von 250 nm bis 1000 nm
  • InGaAs – empfindlich von 400 nm bis 1600 nm

Die Wahl richtet sich nach der Laserwellenlänge. Artifex Engineering fertigt Detektoren von 250 nm bis 2490 nm.

Transimpedanzverstärker (TZA)

Der von der Photodiode erzeugte Photostrom ist üblicherweise sehr gering (Nanoampere bis Milliampere). Ein Transimpedanzverstärker wandelt diesen Strom in eine messbare Spannung um:

Vout = -Iph·Rg

wobei Rg den Transimpedanz-Verstärkungsfaktor darstellt. Die Einheit der Transimpedanzverstärkung ist V/A = Ω.

Signalverarbeitungselektronik

Das Spannungssignal des Transimpedanzverstärkers wird von der Elektronik des Leistungsmessgeräts gefiltert, digitalisiert und weiterverarbeitet.

Datenschnittstelle

Viele Systeme verfügen über Computerschnittstellen wie USB für automatisierte Messungen. Das verarbeitete Signal wird anschließend auf einer grafischen Benutzeroberfläche als optische Leistung in Einheiten wie Milliwatt (mW) oder Dezibel-Milliwatt (dBm) angezeigt.

Ulbrichtkugel

In manchen Anwendungen ist eine Ulbrichtkugel zur Lichtsammlung von Nutzen. Eine Ulbrichtkugel ist ein sphärischer Hohlraum mit einer hochreflektierenden, diffusen Innenfläche. Tritt Licht in die Kugel ein, durchläuft es mehrfache diffuse Reflexionen, wodurch eine gleichmäßige Lichtverteilung im Inneren des Hohlraums entsteht. Ein im Inneren der Kugel platzierter Detektor misst die gesamte Lichtintensität unabhängig von Strahlrichtung, Divergenz oder Polarisation.

Ulbrichtkugeln eignen sich besonders zur Messung von Quellen, die Licht in viele Richtungen abstrahlen, wie zum Beispiel:

  • LEDs
  • Laserdioden mit divergenten Strahlen

Da die Kugel nahezu das gesamte abgestrahlte Licht erfasst, liefert sie eine präzise Messung der gesamten optischen Leistung.

Messbereich und Einschränkungen

Photodioden-Leistungsmessgeräte eignen sich am besten für niedrige bis mittlere optische Leistungen, typischerweise von Nanowatt bis zu einigen zehn Milliwatt. Abschwächer (Attenuatoren) können zur Messung von bis zu mehreren hundert Milliwatt eingesetzt werden. In diesem Fall muss auch der Abschwächer hinsichtlich seiner Wellenlängenabhängigkeit kalibriert sein. Für noch höhere Leistungsmessungen kann eine Ulbrichtkugel mit internem oder externem Photodioden-Detektor verwendet werden. Dies erweitert den Leistungsmessbereich auf bis zu etwa 20 W (interne Photodiode) bzw. 12 kW (externe Photodiode).

Wichtige Einschränkungen umfassen:

Sättigung

Bei hohen optischen Intensitäten kann die Photodiode in Sättigung geraten, was zu einem nichtlinearen Ansprechverhalten führt. Dieser Zustand sollte unbedingt vermieden werden, da die Leistungsmessung in diesem Fall ungenau ist.

Zerstörschwelle

Übermäßige optische Leistung kann die Photodiode dauerhaft beschädigen. Prüfen Sie stets die maximal zulässige Leistungsdichte des Sensors.

Wellenlängenabhängigkeit

Da die Empfindlichkeit stark von der Wellenlänge abhängt, führen falsche Wellenlängeneinstellungen zu systematischen Messfehlern.

Empfindlichkeit gegenüber der Strahlgröße

Übersteigt der Strahlfleck die aktive Fläche der Photodiode, geht ein Teil des Strahls verloren, was zu einer Unterschätzung der optischen Leistung führt. Ist der Strahlfleck hingegen zu klein, kann die maximale Leistungsdichte der Photodiode überschritten werden, obwohl die maximale Leistungsgrenze des Geräts eingehalten wird.

Kalibrierung und Wellenlängenkorrektur

Präzise Messungen erfordern eine sachgerechte Kalibrierung. Die meisten Photodioden-Leistungsmessgeräte werden gegen nationale Normungslabore (z. B. NIST, PTB usw.) kalibriert.

Die Kalibrierung umfasst:

  • die Kurve der Empfindlichkeit in Abhängigkeit von der Wellenlänge
  • die absolute Leistungskalibrierung bei Referenzwellenlängen
  • die Überprüfung der Linearität

Eine regelmäßige Rekalibrierung (typischerweise alle 1–2 Jahre) gewährleistet Messrückführbarkeit und -genauigkeit.

Praktisches Messverfahren

Die folgenden Schritte skizzieren ein typisches Verfahren zur Messung der Laserleistung mit einem Photodioden-Leistungsmessgerät.

Schritt 1: Den richtigen Sensor auswählen

Stellen Sie sicher, dass der Photodioden-Sensor für die Laserwellenlänge und den erwarteten Leistungspegel geeignet ist. Beachten Sie, dass die zu messende Lichtquelle monochromatisch sein muss, wie zum Beispiel ein Laser oder eine LED mit einer einzelnen Wellenlänge.

Schritt 2: Die Wellenlänge einstellen

Konfigurieren Sie das Leistungsmessgerät auf die Laserwellenlänge, damit der korrekte Empfindlichkeitsfaktor angewendet wird. Das Messgerät wendet daraufhin den entsprechenden Empfindlichkeitskorrekturfaktor an, um den gemessenen Strom in optische Leistung umzurechnen.

Liegt die Wellenlänge zwischen zwei Kalibrierpunkten, führt das Instrument eine Interpolation durch.

Schritt 3: Den Sensor prüfen und reinigen

Staub oder Verschmutzungen auf dem Schutzfenster des Detektors können die Messungen beeinträchtigen. Reinigen Sie die Oberfläche bei Bedarf vorsichtig mit sauberer, trockener Druckluft.

Schritt 4: Den Laserstrahl justieren

Positionieren Sie den Sensor so, dass der Laserstrahl vollständig innerhalb der aktiven Fläche der Photodiode erfasst wird. Vermeiden Sie ein Abschneiden (Clipping) des Strahls, da dies zu ungenauen Messungen führt.

Schritt 5: Untergrundsignal messen

Messen Sie bei blockiertem Laser das Dunkelsignal bzw. den Untergrundpegel. Einige Messgeräte, wie die Serie OPM150, subtrahieren diesen Offset automatisch.

Schritt 6: Die Messung durchführen

Setzen Sie den Sensor dem Laserstrahl aus und lassen Sie den Messwert sich stabilisieren. Notieren Sie den vom Messgerät angezeigten optischen Leistungswert.

Fehlerquellen bei der Messung

Mehrere Faktoren können die Genauigkeit photodiodenbasierter Leistungsmessungen beeinträchtigen:

Sättigung des Detektors

Übersteigt die optische Leistung den Messbereich des Detektors, kann es zu Sättigung kommen, was zu ungenauen Messwerten führt.

Temperatureffekte

Die Empfindlichkeit der Photodiode kann geringfügig mit der Temperatur variieren. Dieser Effekt tritt besonders deutlich bei Messungen jenseits der Grenzwellenlänge (Cut-off-Wellenlänge) der Photodiode auf.

Reflexionsverluste

Ein Teil des Lichts kann am Schutzfenster oder an der Photodiodenoberfläche reflektiert werden. Sachgerecht konstruierte Leistungsmessgeräte vermeiden diesen Fehler durch eine diffuse Ausführung des Schutzfensters.

Streulicht

Umgebungslicht kann ohne geeignete Abschirmung zu Messoffsets führen. Eine Untergrundsubtraktion kann hier hilfreich sein, jedoch nur, wenn das Umgebungslicht eine konstante Leistung aufweist.

Polarisationsempfindlichkeit

Manche Detektoren zeigen geringfügige polarisationsabhängige Schwankungen im Ansprechverhalten. Die Verwendung von Ulbrichtkugel-basierten Detektoren eliminiert diese Fehlerquelle.

Justagefehler

Eine Fehljustage kann zu einer unvollständigen Strahlerfassung oder ungleichmäßigen Ausleuchtung führen.

Vorteile von Photodioden-Leistungsmessgeräten

Photodioden-Detektoren bieten gegenüber anderen Technologien zur Laserleistungsmessung mehrere Vorteile:

  • hohe Empfindlichkeit bei sehr geringen optischen Leistungen
  • schnelles zeitliches Ansprechverhalten (Mikrosekunden bis Nanosekunden)
  • kompakte Bauweise und geringe Kosten
  • gute Linearität über einen weiten Dynamikbereich

Diese Eigenschaften machen sie besonders geeignet für modulierte Laser und Regelkreise (Feedback-Regelungen).

Vergleich mit thermischen Leistungssensoren

Eine weitere gängige Technologie zur Laserleistungsmessung ist der thermische Sensor (Thermosäule / Thermopile).

Merkmal

Photodioden-Sensor

Thermischer Sensor

Ansprechzeit

Sehr schnell

Langsam

Empfindlichkeit

Sehr hoch

Mäßig

Maximale Leistung

Niedrig–mittel

Mittel–sehr hoch

Dynamikbereich

Groß

Mittel

Wellenlängenabhängigkeit

Stark

Gering

 

Photodioden werden bei Präzisionsmessungen geringer Leistung bevorzugt oder bei Anwendungen, bei denen die Ansprechzeit der Messung von Bedeutung ist. Thermosäulen sind in der Lage, höhere Leistungspegel zu messen als ein direkter Photodioden-Detektor. Durch den Einsatz eines Ulbrichtkugel-basierten Photodioden-Detektors lässt sich jedoch der Vorteil einer schnellen Ansprechzeit mit der Fähigkeit zur Hochleistungsmessung kombinieren.

Anwendungen

Die Laserleistungsmessung ist immer dann erforderlich, wenn Laser in Betrieb genommen werden, um sicherzustellen, dass sie sicher und mit der für die Anwendung korrekten Leistung arbeiten – im Grunde vergleichbar mit der Nutzung eines Tachometers im Auto.

Bei der Messung der Leistung von LEDs wird die Verwendung einer Ulbrichtkugel empfohlen, um das gesamte abgestrahlte Licht zu erfassen, da LEDs in einen vergleichsweise weiten Kegelwinkel abstrahlen.

Darüber hinaus kann die Leistungsmessung genutzt werden, um weitere Größen zu bestimmen. Beispiele hierfür sind die Transmission eines Glasfensters oder das Polarisationskontrastverhältnis eines Strahlteilers.

Brochure snipping Laser Power Measurement

Weitere Anwendungen umfassen:

Laserentwicklung

Bei Entwicklung und Prüfung von Lasern müssen Ingenieure die Ausgangsleistung von Laserdioden und Festkörperlasern messen, um Effizienz, Schwellstrom und Betriebsstabilität zu bestimmen. Die Bestimmung von Effizienz und Schwellstrom wird als LIV-Charakterisierung bezeichnet (Licht-Strom-Spannungs-Messung, Light–Current–Voltage).

Optische Kommunikation

In faseroptischen Kommunikationssystemen stellt die optische Leistungsmessung sicher, dass die übertragenen Signale innerhalb akzeptabler Leistungsbereiche für eine zuverlässige Datenübertragung bleiben.

Spektroskopie und wissenschaftliche Forschung

Forschende, die Absorptions-, Emissions- oder Streuprozesse untersuchen, sind häufig auf präzise optische Leistungsmessungen angewiesen, um Licht-Materie-Wechselwirkungen zu quantifizieren.

Fertigung und Qualitätskontrolle

Hersteller verwenden optische Leistungsmessgeräte, um zu überprüfen, ob Bauelemente wie LEDs, Lasermodule und optische Sensoren den Leistungsspezifikationen entsprechen.

Zusammenfassung

Photodiodenbasierte Leistungsmessgeräte bieten eine zuverlässige und weit verbreitete Methode zur Messung der optischen Laserleistung. Ihre Funktionsweise beruht auf der Umwandlung einfallender Photonen in einen Photostrom, der über die wellenlängenabhängige Empfindlichkeit der Photodiode proportional zur optischen Leistung ist.

Präzise Messungen erfordern Sorgfalt bei der Auswahl des Detektors, der Wellenlängenkalibrierung und der Strahljustage. Bei sachgerechter Anwendung bieten Photodioden-Leistungsmessgeräte hohe Empfindlichkeit, schnelles Ansprechverhalten und ausgezeichnete Messpräzision für zahlreiche Laseranwendungen.

Artifex Engineering entwickelt hochpräzise photonische Instrumente für die präzise optische Leistungsmessung in Forschung und Industrie.

Das Portfolio des Unternehmens umfasst:

  • optische Leistungsmesssysteme
  • Ulbrichtkugeln zur Erfassung der Gesamtleistung
  • Instrumente zur Charakterisierung von Laserdioden
  • Photodioden-Verstärkerelektronik

Diese Werkzeuge ermöglichen es Ingenieuren und Forschenden, zuverlässige optische Messungen in einer Vielzahl photonischer Anwendungen durchzuführen.

About the Author:

Dipl. Ing. Berndhard Neumann

CTO & Master of Science (M.Sc.)

Bernhard Neumann ist CTO von Artifex Engineering und hat einen Abschluss in Angewandter Lasertechnik (Dipl. Ing.). Mit 20 Jahren im Unternehmen entwickelt er die Messinstrumente, die die Arbeit von Artifex prägen – von Software und Hardware bis hin zu Design und Programmierung. Im Laufe der Jahre hat er zahlreiche Anwendungen sowie die Herausforderungen der Arbeit in der Photonik bis ins kleinste Detail kennengelernt.

Dr. Steven Wright

Maßgeschneiderte Lösungen

Heike Schleusener

Präzisionsoptiken

Heike Schleusener

Präzisionsoptiken

Donovan Ellis

Messinstrumente

Donovan Ellis

Messinstrumente